Nun ist es endlich soweit: Am 19. April startet um Mitternacht eine Maschine nach Sydney mit meiner Person an Bord. Hoffentlich. Nach Wochen dauernden Abschieden in Raten und Wiederholungen, von Freunden, von Berlin, von Deutschland und Deutschleben, Gewohnheiten, Möbeln, geliebten Schuhen und Kleidungsstücken, nach scheinbar endlos vielen organisatorischen Dingen, die ich vor meiner Abreise zu erledigen hatte, bin ich es nun endgültig leid, noch länger hier zu sein. Ich war schwanger, monatelang, jahrelang, eine Elefantenkuh. Es ist jetzt kaum noch auszuhalten, das Kind muss raus. Bevor ich noch unerträglicher werde, für mich und für meine Umwelt. Am Donnerstag entbinde ich und gebäre meinen Traum, und dann wird alles anders sein. Ein neues Leben wird mich begleiten und ich muss es kennen lernen, erziehen und wachsen lassen. Mein Silvester findet dieses Jahr am 19. April statt, und ich habe mir jede Menge guter Vorsätze zurechtgelegt.
Wenn alles gut geht, werde ich einige Monate in Australien und Neuseeland bleiben. Soweit die Rahmenbedingungen meines Vorstellungsvermögens. Mehr geht im Moment nicht. Weil ich noch nicht losgelassen habe und immer noch diesen Ballast mit mir rumschleppe. Jedes Stück, das ich jetzt wieder auspacke, um es da zu lassen, bringt mich näher an mein Ziel, zu gehen und frei zu sein. Mein Kind heißt Freiheit. Freiheit von allen Zwängen, die ich mir selbst auferlegt habe und die mich eingeengt und mein Leben in die falsche Richtung getrieben haben. Eitelkeit. Materialismus. Bequemlichkeit. Angst, loszulassen. Angst, allein zu sein.
Freiheit auch von zuviel Gepäck. Mich begleiten ein Rucksack mit 60l Fassungsvermögen, die für den Flug gnadenlos ausgeschöpft werden, und mein Handgepäck von noch nicht feststehender Größe. 27 Kilo darf ich mitnehmen, mein Rücken wird es mir danken, wenn es zum Schluss nur 17 sind. Man hat immer noch zuviel Kram. Auf dem Weg von Berlin über Magdeburg nach Köln nach Frankfurt nach Sydney habe ich einiges zurückgelassen, jeder an diesen Stationen darf nun ein bisschen Ballast von mir aufbewahren, den ich in den letzten Tagen beim Einschlafen und beim Aufwachen (und auf der Fahrt von Berlin nach Köln, die sich als Nagelprobe ertragbaren Gepäcks herausgestellt hat) stetig aussortiert habe. In hoffentlich stillen Ecken, in denen er nicht allzu sehr stört.
Die Ecke in Magdeburg ist auch still, aber etwas größer, dort habe ich dankbar meine „restlichen“ Kisten und die letzten Möbel im Lilienblum’schen Keller untergestellt. Die Anführungsstriche setze ich nicht umsonst… 10 kleine Bücherkisten und 12 große, 3 Schränke und etwas Kleinkram sind immer noch eine ganze Menge Kram, dies zeigte erst recht die Liste für die Hausratversicherung, die meine Wertvorstellungen um Einiges übersteigt. Oder schätze ich die Werte zu hoch ein, weil mein materiell-nostalgisches Herz so daran hängt? Dabei habe ich mindestens(!) die Hälfte meines Hausstandes verschenkt, verkauft oder weggeschmissen. Wie ist es möglich, dass man in den bisher nicht mal 20 Prozent seines erwachsenen Lebens soviel Zeug ansammelt?
In den mir verbleibenden 36 Stunden bis zum Abflug steht noch Folgendes auf dem Programm: 1. den neuen iPod mit 45 GB Musik aufstocken, vorher die iTunes Liberary auf Vordermann bringen (mir ist übrigens immer noch schlecht, ob der Summe, die ich hiermit in meine Hörgenüsse für unterwegs investiert habe); 2. die Hausratliste überarbeiten, damit Erik und Sabine sich schnell von ihrem ersten Unterversicherungsschock erholen können; 3. eine Vollmacht für Doris schreiben, die während meiner Abwesenheit meine Post verwaltet; 4. zum tausendsten Mal nach einer perfekten Tasche für das Handgepäck suchen, die ich die bisher immer noch nicht gefunden habe (wahrscheinlich werde ich mit zwei Plastiktüten an Bord gehen müssen, weil ich zu wählerisch damit bin).
Soweit zu den Festtagsvorbereitungen, die wie immer stressig gewesen sind. Und genug geschrieben. Bei großen Veränderungen neigt man ja oft zu pathetischem Gelaber, das andere meistens tierisch langweilt. Die letzten Worte vor der Abreise (denn das, was man am Ende liest, beziehungsweise hört und liest, bleibt ja bekanntermaßen im Gedächtnis) habe ich mir deshalb mal bei den Ohrbooten ausgeborgt:
Und tschüss!
Wann ick wiederkomm’ is unjewiss,
sicher is, dass ick mir vapiss,
dahin,
wo det Wetter besser is!
Sonnenschein uuuuuuund…
tschüss!

Hi Pola,
Aufregend was Du da grad erlebst!! Da ist man nur neidisch oder würde am lebsten mitmachen…
Grüße von Christiane
Hey Pölchen,
hoffe, dass du gut angekommen bist in Sidney und der Flug keine Krampfadern bei dir hinterlassen hat!
Wünsche dir einen schönen Start ins große Abenteuer!
Take care,
chris
Liebe Anja,
)…
Bärbel und ich haben Deinen ersten blog gerade gelesen. Wir freuen uns auf Deine vielen Geschichten und Abenteuer… und denk dran down under immer mal einen Kopfstand zu machen
Viele Grüße aus dem sonnigen Magdeburg von Bärbel, Cosmo und Gerd.
Nee, kein Scherz, ihr Lieben. Ich heiße wirklich so. Fragt die andere.
)
Liebe Anja, ich hoffe auch, dass Du gut angekommen bist und viele schöne erste Eindrücke gewinnen konntest… Erfreust Du Dich bester Gesundheit?
Schreib’ mal!
Grüße und alles Liebe!
Anja
Hi Anja,
Regen und Sturm haben wir jetzt auch hier, aber natürlich keine tollen Strände vor der Tür und auch nicht immer fantastische Aussichten! Genieße also das Leben, genieße die neuen Eindrücke und mache genau das, was Du Dir vorgenommen hast. Viel Glück am anderen Ende der Welt!
Kerstin
hm.scheiße-falsche Taste gedrückt.Nochmal von vorne.jetzt kriege ich das nicht mehr zusammen.
na du, huhu
bin mal wieder ziehmlich spät dran, wie immer.das liest und sieht sich ganz toll an.Es ist doch immer wieder fazinierend was alles mit IT möglich ist.Fehlt nur noch der Tast-und Geruchssinn als Übertragung.Danke für die Beeindruckenden Fotos(Blue Mountins).Logisch, dass es mehr als drei Tage wurden.
Schön, dass du heile bist und den Start Gesund in Angriff genommen hast.Du bist doch hoffentlich auf der Höhe.
Also, bis bald und hau rein.
Liebes Ahoi,Peter
P.S. Ärsche kommen offentsichtlich auf der ganzen Welt an:)Danke Micha